Als es in Cham noch keine Feuerwehr gab

Blicken wir zurück auf die Zeit, als es in Cham noch keine Feuerwehr gab, und die Stadt bis zur Gründung der Feuerwehr von neun großen Bränden heimgesucht worden war.
Die Ursache der meisten Brände war auf menschlichen Leichtsinn im Umgang mit Feuer und Licht zurückzuführen, aber auch Kriege und Brandstiftungen waren der Anlaß, daß oft die ganze Stadt oder ein ganzes Stadtviertel in
Schutt und Asche sanken.
feuerloeschordDie Bürger waren bei solchen Brandkatastrophen auf sich allein gestellt oder auf die Hilfe des Nachbarn angewiesen, da noch keine Feuerwehr helfend eingriff, und es außerdem an geeigneten Geräten zur Brandbekämpfung fehlte.
Bis zur Erfindung der Feuerspritze eilte man bei einem Schadensfeuer gemeinsam mit Ledereimern, Kübeln, Fässern und Feuerpatschen zum Brandort. Aber jeder war sich bewußt, daß man mit der menschlichen Eimerkette von Hand zu Hand wenig gegen das Feuer ausrichten konnte.
Der beste Schutz sich gegen das Feuer zu wehren, bestand schon immer darin, dieses erst gar nicht aufkommen zu lassen - sofern es nicht
durch Kriegseinwirkung entstand - und so mahnte man seitens der Obrigkeit den Bürger, stets sorgsam mit Feuer und Licht umzugehen.
Denn die dadurch auftretenden Notstände und wirtschaftlichen Folgen, trafen die Bürgerschaft jedesmal sehr hart, und es dauerte in den meisten Fällen Jahre, bis alles wieder aufgebaut war.
Auf Grund der immer wiederkehrenden Brandkatastrophen kam man zu der Erkenntnis, den Brandschutz zu organisieren. So waren anfangs der Türmer und der Nachtwächter dafür verantwortlich, dass ein Feuer rasch erkannt und gemeldet wurde, man kann sie somit als die ersten "Feuerwehrleute" bezeichnen.
Der Nachtwächter zog mit Laterne, Spieß und Horn ausgerüstet durch die Straßen der Stadt, und mahnte die Bürger nachts zu jeder vollen Stunde mit dem Ruf "Gebt acht auf Feuer und Licht, damit der Stadt kein Unglück gschicht."
Der Türmer auf dem Turm der Stadtpfarrkirche St. Jakob war für die Meldung eines Brandes zuständig, indem er die große Glocke der Kirche anschlug, und nachts durch das Aushängen einer Laterne, tagsüber einer Fahne, die Richtung des Brandes anzeigte.
Aber all diese vorbeugenden Maßnahmen reichten noch nicht aus, um eine Verbesserung im Feuerschutz zu erreichen, und so erließ der Magistrat der Stadt Cham im Jahre 1839 für die königliche Stadt Cham ihre erste Feuerlöschordnung.


Auszug aus der Verordnung:
polverord
Der Löschdienst war nun also zur allgemeinen Bürgerpflicht geworden.
Der Feuersgefahr konnte dadurch natürlich nur bedingt begegnet werden.
Auf die Feuerverhütung wirkten sich diese Vorschriften zum Teil recht segensreich aus; für die praktische Brandbekämpfung selbst waren sie auf die Dauer unzureichend. Die Ursache dieses Versagens lag im System begründet. Es gab zwar ein großes Aufgebot an verpflichteten Helfern, diese aber waren ungeübt, die Anleitung mangelhaft und die Löscheinrichtungen noch nicht genügend technisch entwickelt. Deshalb ging man dazu über, den Löschdienst einer für die Brandbekämpfung geschulten und eingeübten Truppe zu übertragen.
Diese Männer versahen ihren Dienst freiwillig und aus Nächstenliebe. Die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr hatte somit geschlagen.
Diesen Neugründungen stand man damals recht ablehnend gegenüber, denn die Idee der Feuerwehr war ein Bruch mit dem alten System und deshalb zunächst der Obrigkeit, aber auch der Bevölkerung verdächtig. Aber der Bürger- und Gemeinschaftssinn setzte sich immer mehr durch.
So gründeten als erste in Bayern, die Städte Augsburg im Jahre 1849 und Nürnberg im Jahre 1853, eine Feuerwehr. Diesem Beispiel folgten in den Jahren darauf eine ganze Reihe von Städten und Märkten in Bayern.
In der Oberpfalz war es als erste die Stadt Regensburg, die am 20. Januar 1858 eine Feuerwehr ins Leben rief.
Die erste Freiwillige Feuerwehr in unserem Raum wurde am 18. März 1860 in Roding durch den damaligen Landgerichts-Assessor Dr. Gehring gegründet.
Daß man dem Feuerwehrgedanken aufgeschlossen gegenüberstand und.
bestrebt war auch in Cham eine Feuerwehr zu gründen, geht aus den Schreiben vom 23.127. Juli 1861 der kgl. Landgerichte Roding und Cham hervor.

Das
Königliche Landgericht Roding
an das
Königliche Landgericht Cham

Die Errichtung einer Feuerwehr in Cham - betreff.

Auf die schätzbaren Zuschriften vom 18./20. d. Mts. beehrt man sich zu erwidern, daß künftigen Sonntag den 4. August eine Abteilung der hiesigen Feuerwehr der ergangenen Einladung gemäß in Cham nachmittags 2 Uhr eine Hauptübung abzuhalten und deshalb das Ersuchen gestellt wird, die gefällig vom Magistrate Cham zur Verfügung gestellten Transportwägen so abzuordnen, daß dieselben um 10 Uhr vormittags mit der Mannschaft und den Apperaten von hier abfahren können.
Man ersucht dafür Sorge zutragen zu wollen, daß eine Löschmaschine mit 200 fuß Schlauch und der Drük
kermannschaft zur Verfügung stehen und bei der Übung der Platz vor dem Gebäude zur Ausführung der Arbeiten frei bleibt.

Hochachtungsvoll
königl. Landrichter



Vom kgl. Landgericht Cham

Errichtung einer freiwilligen
Feuerwehr in Cham betr.:

Der ergangenen Einladung gemäß wird die Feuerwehr Roding am Sonntag, den 4. August ds. J., Nachmittags 2 Uhr eine große Übung dahier abhalten und hierfür das Kellerhaus (heute Fa. Kappenberger & Braun) des Bierbrauers Hn. Xaver Höchstetter auf dem Steinmarkt bestimmt worden.
Der gegebenen mündlichen Zusicherung gemäß wird der Stadtmagistrat hiermit ersucht, die zum Hinhertransport der Feuerwehrmänner und des Apperates bestimmten 2 Leiterwägen so rechtzeitig nach Roding abzuordnen, daß dieselben Vormittags 10 Uhr in Roding abgehen können
Zugleich wird verfügt für die Rückfahrt der Feuerwehrmänner nach Roding zwei weitere Leiterwägen bereit zu halten und eine Löschmaschine mit 200 fuß Schläuchen vor dem zur Übung bestimmten Gebäude aufzustellen.
Cham, 27. Juli 1861

der kgl. Landrichter

Die Feuerwehrmänner aus Roding kamen daraufhin am 4. August 1861 unter Leitung ihres Gründers Dr. Gehring, nach Cham und führten Lösch- und Rettungsübungen Vor. Dabei zeigte sich die Feuerwehr Roding schon gut geschult und geübt, so daß sie große Anerkennung fand.
Obwohl aufgrund der Vorführung nun allgemein der Wunsch geäußert wurde, eine Feuerwehr ins Leben zu rufen, vergingen noch 3 Jahre bis dieser verwirklicht wurde.
So kamen die Städte Furth i. W., Neunburg v. W. und Viechtach im Jahre 1863 der Stadt Cham noch zuvor.

Der Bürger Karl Denk, war es dann, der die Idee zur Gründung einer Feuerwehr am 5. Februar 1864 wieder aufgriff, und an den Magistrat der Stadt hierzu folgendes Schreiben richtete:

Hochlöblicher Stadtmagistrat Cham

Allenthalben und seit längerer Zeit gibt sich daher das Verlangen kund, daß gleich anderen Städten und Märkten, so auch in der Stadt Cham eine freiwillige Feuerwehr errichtet werden möchte. Einem derartigen Streben verdankt unter anderem die im Jahre 1863 gedruckte "Feuerverordnung für die Stadtgemeinde Cham" ihre Existenz und auch die Anschaffung der beiden neuen Feuerspritzen dürfte in diesem Streben ihren ersten Anstoß gefunden haben.
Im Interesse des allgemeinen Wohles hab ich daher eine Instruktion und Dienstverordnung für eine in der Stadt Cham zu errichtende Feuerwehr ausgearbeitet, aus welcher man gefälligst ersehen kann, welchen Nutzen ein solcher Verein in Zeiten der Feuersnot zu leisten vermag. Ich gebe mir die Ehre diese Dienstverordnung einem hochlöblichen Stadtmagistrate im Originale vorzulegen. Mit dieser Instulation lege ich zugleich eine Berechnung vor, aus welcher zu entnehmen ist, wie hoch die Kosten auf Errichtung einer Feuerwehr annähernd belaufen mögen.
Wenn einerseits zugegeben werden muß, daß Feuerwehr-Vereine in Zeiten der Not und Feuersgefahr von entscheidenden Nutzen seien, so kann auch nicht geleugnet werden, daß deren ins Leben treten nicht ohne namhaften Geldaufwand bewerkstelligt werden kann.
Da sich bis heute noch keine Feuerwehr dahier gebildet hat, mag vernehmlich seinen Grund darin haben, daß man über die Organisation derselben und über den Umfang der Leistungen eines solchen Institutes bisher nicht ganz im klaren gewesen zu sein scheint.
Da überdies in hiesiger Stadt geringe Resultate von Privatspenden für einen solchen Zweck zu hoffen sind, beliebt es lediglich dem weisen Ermessen eines hochlöblichen Stadtmagistrats anheimgestellt, auszusprechen, ob es möglich. sei, dahier eine Feuerwehr zu organisieren.
Sollte sich übrigens die Stimme der gesamten Vertretung hiesiger Stadt in dieser Beziehung bejahend aussprechen, so bin ich gerne erbötig
 



die Organisierung eines Feuerwehr-­Corps zu übernehmen, ich stehe überhaupt in dieser Richtung meine geringen Kräfte, falls es beliebt, sich derselben zu bedienen, gerne zur Disposition.
Mit der Versicherung meiner ausge­zeichneten Hochachtung habe ich die Ehr zu sein.
Cham 5. Februar 1864
gehorsamer Diener

Karl Denk

Diesem fügte er eine Aufstellung über die Kosten für die notwendigen Geräte, Ausrüstungsgegenstände, Kleiderkosten, sowie eine Liste der dazu nötigen Mannschaft bei.
Bei den letzten Positionen der Schirmmützen und Waffenröcke dürften zusammen etwa um 200 Gulden zu hoch berechnet sein, da die Uniformen für das komplette Korps in Ansatz gebracht worden sind. Die Mannschaft dürfte aber dadurch eine Abminderung erlei­den, daß für einige Spritzen (ich kann deren nämlich nur 5 aus eigner Anschauung) muß die volle Bedie­nungsmannschaft notwendig ist; und ferner darf auch angenommen werden, daß ein großer Teil der frei­willig eintretenden Bürger sich auf eigene Kosten requiriren wird. ­Also, wie gesagt, diese Position dürfte um etwa 400 Gulden zu hoch gegriffen sein.

So geschehen zu CHAM 15. Oktober 1864
Voranschlag der Kosten, welche die Errichtung einer wohlgerüsteten Feuer­wehr in Cham verursachen dürften.
1     Steigerhaus von, erbaut nach beiliegendem Plane
- leider nicht mehr vorhanden
- Laut Aufstellung des Zimmermeister Wiesbauer, nach Anschlag des  Wagner Fischer            275,59

1     Requisitenwagen ca. 25 fuß            30.-

30     Stumhauben (Feuerwehrhelme) von Blech, schwarz, gestrichen mit Stirnleder und Sturmband                              66.-

1     Rettungsschlauch 40 m lang von besten Zwilch kostet in der Engelhartlichen Maschinenfabrik in Fürth                    48.-       

1     Rettungssack mit 4 eisernen Ringen aus derselben Fabrik                7,42

1     Sprungtuch gefertigt aus allerbestem festen Zwilch aus derselben Fabrik, die Elle zu 24 m - Dreimal drei Ellen - so dass das Tuch auf jeder Seite des Quadrates 3 Ellen mißt. Dieses Sprungtuch mit starken Gurten eingefaßt, in der Mitte kreuzweis durchzogen und an jeder Seite mit 6 festen Handschlingen versehen. Der Seiler berech­net diese Gurte zu 4 xn, also zusammen etwa 30 Ellen        2.-

30     Signalpfeifen von Messing mit Quasten aus obiger  Fürther Fabrik      24.-

1     Sprachrohr von Messing aus derselben Fabrik                                        1,12

30     Gürtellaternen von weißem Bleche mit Glas  das Stück zu 1,40            42.-

18     Handseile von 60 Fuß Länge                              25,12

15     Handseile von 36 Fuß Länge Nach Anschlag des Seiler­meisters Heilingbrunner             13,30

30     Leibgurten von Seilerarbeit                             15.-

12     Dut – Hörner                                     7,12
Hierzu kommen noch Auslagen für Schaufeln, Pickeln, Beile, hölzerne Hackenleitern, eine Drahtleiter 50 m lang und der gleichen,
wofür ich die Preise nicht bestim­men kann.

180     Schirmmützen von Segeltuch                            108.-

180     Waffenröcke von ungebleichten Leinen fix und fertig             315.-
- Angebot des Schneidermeisters Penzl
                                                                                          974,23 Gulden
 



Sumarischer Stand der zu errichtenden Feuerwehr in Cham
1 Hauptmann,
1 Adjudant,
1 Quartiermeister,
2 Signalisten,
1 Brückenmeister,
2 Haspelführer,
1 Zeugwart,
1 Mauerermeister,
1 Zimmerermeister,
15 Steiger,
15 Retter,
1 Oberspritzenmeister,
9 Spritzenmeister,
18 Schlauchführer,
9 Mannschaften von je 12 Mann.

Mit nachstehendem Wortlaut gab Bürgermeister Scherbauer die Ange­legenheit an den Magistrat weiter:

Cham, den 22. März 1864
An das Collegium der Gemeindebe­vollmächtigten der Stadt Cham zur geeigneten Beschlußfassung und Rückäußerung bezüglich des Ko­stenzuschusses, falls sich für die Er­richtung einer Feuerwehr ausgespro­chen werden solle.
Hochachtungsvoll
Stadtmagistrat Cham
Scherbauer
Bürgermeister

Welcher Beschluß darüber gefaßt wurde, geht aus den Akten nicht hervor. Fest steht nur, daß es vor­läufig zu keiner Gründung kam. Der Grund dafür könnten vielleicht die zu hohen Kosten gewesen sein.