Die Geburtsstunde der Wehr

Der gescheiterte Versuch von K. Denk eine Feuerwehr zu gründen, entmutigte den damaligen Revier­förster Albrecht Freiherr von Reit­zenstein nicht, sich erneut dieser ge­meinnützigen Sache anzunehmen.
Am 23. August 1864 richtete er an den Stadtmagistrat Cham dieses Schreiben

Cham 23. August 1864

Stadtmagistrat Cham
Bildung eines freiwilligen Feuerwehr-Corps betreff

Zur Besprechung über die in Absicht genommene Bildung eines freiwilli­gen Feuerwehr-Corps in hiesiger Stadt habe ich meine Einladung auf Mittwoch, den 24. d. Mts. abends 8 Uhr im Gasthause zur Post in Linu­lation gesetzt und zeige solches im Hinblick auf die Bestimmungen des Vereinsgesetzes hiermit an.

Hochachtungsvoll

v. Reitzenstein

Die Einladung des Bürgermeisters an den Magistrat lautete wie folgt:
Werden die Herren Magistrats Rä­the eingeladen, heute abends 8 Uhr im Gasthause zur Post, zur Bespre­chung obiger Angelegenheit zu er­scheinen.
Cham den 24. August 1864
    Scherbauer
    Bürgermeister

Im Neunburger-Bezirksamts-Blatt Nr. 35 S. 211 erließ v. Reitzenstein am Samstag den 27. August 1864
diesen Aufruf:

aufruf


Obwohl die Bürger auf diesen Auf­ruf hin zum Größtenteil den Ohne­mich-Standpunkt bezogen, und die ganze Sache als Angeberei hinstell­ten, konnte am 15. Oktober 1864 im "Gasthof zur Post" die Gründungs­versammlung erfolgen. An diesem Tag erklärten - trotz der erwähnten Abneigung - 49 Männer, die meist aus den Reihen des 1863 gegründe­ten Chamer Turnvereins kamen dessen Vorstand Freiherr v. Reitzen­stein war - ihren Beitritt zur Feuer­wehr. Sie taten dies aus Überzeu­gung und Nächstenliebe, kamerad­schaftlichem Sinn und Begeisterung für die damals - wie heute noch ­volkswirtschaftlich so wichtige Sache. Sie schlossen an dem Tag ei­nen Bund, der sich nun bereits 125 Jahre im Kampf gegen Feuer und Katastrophen immer wieder bewährt hat.