Gründungssatzung der Freiwilligen Feuerwehr Cham

so geschehen zu Cham 15. Oktober 1864

Die Unterzeichneten sind unter heu­tigen Datum als freiwilliges Feuer­wehr-Corps zu einem Verein zusam­mengetreten und haben folgende provisorische Bestimmungen als Sat­zung angenommen.

§ 1
Zweck des Vereins, welcher im Ein­klange mit den zuständigen Behör­den handelt, ist Rettung des Eigen­tums und Lebens bei Brandfällen in­nerhalb des Bezirksamtssprengels Cham unter entsprechender Benüt­zung der der Feuerwehr vom Stadt­magistrate Cham zur Disposition ge­stellten Löschmaschinen (vorläufig die mit der Nr. 1, 3 und 39 bezeich­neten).

§ 2
Bei Bränden innerhalb der Stadt­grenzgemarkung Cham hat jedes Mitglied zur Erreichung des obigen Zweckes mitzuwirken, und die er­haltenen Aufträge gewissenhaft zu erfüllen, bei Brandfällen außerhalb des Stadtbezirkes stellt der Verein in der Regel nur die ohnehin auf das Land bestimmte Löschmaschine Nr.III mit einer Abteilung von 15 – 20 Mann, welche hierzu vorher kom­mandiert und gegebenenfalls alar­miert werden. Zu letzterem Falle tritt die Hilfeleistung von seiten des Vereins ohne amtliche Veranlassung dann ein, wenn der Ort des Brandes nur zwei Stunden von Cham ent­fernt ist, und derselbe mit Sicherheit bestimmt werden kann, oder sich in der Gefahr schwebenden Ortschaft Bewohner finden, welcher gegen­über dem Vereine durch Annahme freiwilliger Beiträge zur Anschaf­fung von Requisiten moralische Ver­pflichtungen zu erfüllen hat.
In allen übrigen Fällen beginnt die Tätigkeit des Vereins nur auf Requi­sition der einschlägigen Ortspolizei­behörde des königlichen Bezirksam­tes Cham, und unter Umständen auch auf Ersuchen der Vertreter der Ostbahngesellschaft. Bei Bränden von besonderer Bedeutung und bei großer Gefahr für die Weiterverbrei­tung des Feuers bleibt dem Vereine vorbehalten, insbesondere bei nahe gelegenen Ortschaften eine zweite und zwar die mit der Nr. IX bezeich­nete Maschine nebst einer weiteren Abteilung von 15 - 20 Mann an den Brandplatz abgehen zu lassen.

§ 3
Die Interessen des Vereins haben wahrzunehmen ein Vorstand und ein aus sechs Mitgliedern sowie dem Kassier bestehender Verwaltungsrat. Die Wahl des Vorstandes und Ver­waltungsrates, bei welcher einfache Stimmenmehrheit entscheidet, hat für die Folge alljährlich zwischen Weihnachten und Neujahr stattzu­finden.

§4
Der Vorstand, welchem bei Bränden und den Übungen sämtliche Mitglie­der zu unbedingtem Gehorsam ver­pflichtet sind, handelt er in dienstli­cher Repräsentierung oder sonstigen Angelegenheiten vollständig unab­hängig, ist aber hinsichtlich aller Verwaltungs- und finanzieller Fra­gen an die unbedingte Zustimmung des Verwaltungsrates gebunden, und hat bei der Entlassung von Feuerwehrmännern das Ehrenge­richt einzuvernehmen.

§ 5
Bei Brandfällen übernimmt der Vor­stand als Vereinskommandant, oder einer von demselben vorher bezeich­neter Stellvertreter das Kommando, welchem ein Adjudant und zwei Hornisten zugeteilt sind. Der jeweils Höchstkommandierende sowie der Adjudant tragen im Dienste zur Vermeidung von Mißverständnissen rote Schärpen.

§ 6
Das Vereinskommando bedient sich zur Verständigung der Abteilungs­kommandanten, Führer und Mit­glieder möglichst einfacher Signale, welche Zeichen nur für die Feuer­wehrmänner von Bedeutung sind (mittels sogenannter Signalhörner und Schellpfeifer) und daher weder von den übrigen Bewohnern der Stadt Cham eine Bedeutung verdie­nen, noch irgend einen Einfluß auf die bisher bei Bränden üblichen Feuerlärmzeichen der Städtischen Wache und Löschmannschaften ausüben sollen.